Zeitungsbericht im Fränkischen Tag in Bamberg 1999

on 27 Dezember 2012

Selbsthilfe: Andy Köhler verlor bei einem Autounfall ein Bein. Er hat sich ins Leben zurück gekämpft. Seine Erfahrungen gibt er in seiner Selbsthilfegruppe für Arm- und Beinamputierte weiter.

Bamberg. Es war ein kalter Februartag im Jahre 1997, der schlagartig das Leben von Andy Köhler verändert hat. Zusammen mit drei Geschäftskollegen war er auf der A 73 unterwegs, als sein Auto Nähe der Ausfahrt Buttenheim bei Glatteis ins Schleudern geriet, gegen die Leitplanke prallte und sich mehrmals überschlug. Während die Freunde von Andy Köhler den Unfall nahezu unverletzt überstanden, wurde er selbst durch die Windschutzscheibe aus dem Fahrzeug geschleudert – obwohl er angeschnallt war. „Anscheinend bin ich irgendwie durch den Gurt hindurch gerutscht. Und als ich durch die Scheibe des Autos flog, wurde mein rechtes Bein am Unterschenkel durchdrennt. Zudem hatte ich mir beim Aufprall die Nase und Sieben Ruppen gebrochen, sowie eine Luxation (Verrenkung, die Red.) am anderen Bei zugezogen“, erinnert sich der Mitarbeiter eines Zweckverbandes für kommunale Verkehrsüberwachung an den tragischen Unfall. Bewusstlos wurde er ins Krankenhaus eingeliefert, wo er fünf Wochen im künstlichen Koma lag. Eine Woche vor seinem 33. Geburtstag erfuhr er, dass ihm ein Bein fehlte. „Mein erster Gedanke war, dass ich nie mehr Fußball spielen kann.“ Das sei für ihn als einen extrem sportbegeisterten Menschen „eine grausige Vorstellung“ gewesen, so Andy Köhler. Als jemand, der positiv denkt, habe er schließlich sein Schicksal angenommen und versucht, das Beste daraus zu machen. Dabei sein die Unterstützung durch Familie und vor allem durch seinen Sohn sehr wertvoll gewesen: „Sie halfen mir gerade am Anfang durch die eine oder andere schwierige Situation hindurch.“

Großes Selbstvertrauen und Kraft fand Andy Köhler, der vor seinen Unfall in der Landesliga (4. Liga) Fußball spielte, wieder im Sport. Er berichtete: „Zwei Jahre widmete ich mich intensiv dem Schwimmsport. Ich habe zwar in dieser Zeit mehrere Bayrische Meisterschaften eingeholt, aber so richtig Spaß hatte ich an der Sache nicht.“ Durch Zufall sei er zum Rollstuhlbasketball gekommen und habe sofort gemerkt, „das ist es“. Seitdem lässt ihn diese Sportart nicht mehr los und schon nach 3 Jahren spielte er in der höchsten Deutschen Liga, der Bundesliga. Doch Andy Köhler will auch an anderen Amputierten die heilsame Wirkung von Sport vermitteln. Er ließ sich beispielsweise zu Nortic-Walking-Trainer für Beinamputierte ausbilden. Sport kann große Hilfe sein Um Schicksalsgenossen mit Rat und Tat zur Seite stehen zu können, rief der inzwischen 51-Jährige in Bamberg, vor 5 Jahren, eine Selbsthilfegruppe für Arm- und Beinamputierte ins Leben. Denn aus Erfahrung weiß er, wie wichtig Hilfestellungen für Betroffene sind. „Ich weiß, was es heißt, wenn ein Arzt zu einem sagt: „Ich verstehe., wie sie sich fühlen.“ Ich habe auch selbst erlebt, wie schnell mann als Mensch zum Abrechnungsfaktor wird.“ Damit niemand das Rad neu erfinden muss, will Andy Köhler nun seine Erfahrungen, die er in den, inzwischen 17 Jahren mit all seinen Höhen und Tiefen gemacht hatte, gerne weitergeben. Es sind ale Freunde weggeblieben, aber viele neue hinzugekommen. „Ich war als ehemaliger Landesligafußballer gewohnt, zu kämpfen. Nun will ich auch anderen zu ihrem eigenen „Kampf“ motivieren. Denn auch sie sollen wie er ohne Scheu im Sommer in kurzen Hosen und offen sichtbarer Prothese durch die Innenstadt laufen können. Andy Köhler will ihnen Mut machen: „Trotz der Amputation geht das Leben weiter!“.  Er biete inzwischen über eine Homepage (www.amputierten-wegeiser.de)  überregional seine Hilfe an und freut sich über jede Anfrage die er hilfreich beantworten darf.